Wildnis mit zwei Kindern

Unser Konzept

Leitbild

Die in den letzten Jahrzehnten stattfindenden gesellschaftlichen Veränderungen haben einen nicht zu unterschätzenden Einfluss auf die Kindheit heute. Durch den Wandel des familiären Systems, hin zu Kleinfamilien, und der damit sozial begrenzten Erfahrungswelt und der zunehmenden Berufstätigkeit beider Elternteile steigt der Bedarf externer Betreuungsmöglichkeiten. Des Weiteren erfordern Zeitknappheit und Verinselung eine institutionelle Betreuung in der Nähe des Arbeitsplatzes.
Neben Kindergärten, welche bereits ein fester Bestandteil unserer Gesellschaft sind, erfährt die Krippenbetreuung in den letzten Jahren eine Aufwertung. Gerade die Krippe zeichnet ein familiärer Charakter aus, sie ist jedoch nicht mit dem eigentlichen Zuhause zu verwechseln. Denn „Krippe ist Krippe und Zuhause ist Zuhause. Beides kann sich prima ergänzen.“
(Mienert, 2009, S.27).

Warum Krippe?

  • Bildung von Anfang an – Die Erfahrungen, die Kinder in den ersten drei Lebensjahren machen, bilden die Grundlagen für alle Lernerfahrungen des späteren Lebens.
  • Kinder lernen von anderen Kindern – schon kleinste Kinder sind sozial kompetente Interaktionspartner.
  • Forschungen bestätigen, dass „sich qualitativ gute Krippen positiv auf den Bildungsweg von Kindern auswirken.“ (Fthenakis, 2003, S. 268)

Basis für das frühkindliche Lernen ist eine sichere Bindungsbeziehung zu den engsten Bezugspersonen. Wie schon Martin Dornes ausführte, sind Kinder von Geburt an kompetent Lernende (vgl. Dornes, 2004, S. 34). Kinder be-greifen ihre Welt mit allen Sinnen. So machen sie Erfahrungen und eignen sich Wissen an. Beide Komponenten bauen aufeinander auf, werden ständig erweitert und modifiziert.

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Neurologischen Erkenntnissen zufolge bilden sich in den ersten Lebensjahren im Gehirn unzählige Verbindungen von Nervenzellen, sogenannte Synapsen. Das Potential zur Vernetzung ist in der frühen Kindheit so groß wie nie mehr im späteren Leben. „Wie sich das Gehirn ››verdrahtet‹‹, welche Synapsen überhaupt gebildet werden und welche am Ende übrig bleiben – das hängt entscheidend davon ab, was wir in der Startphase unseres Lebens sehen, hören, riechen, fühlen.“ (Romberg, 2007, S.20).
Unser Einfluss als Pädagoge ist begrenzt, da das Kind die Lernerfahrungen individuell für sich verwertet. Dieser autonome Entwicklungsprozess kann nur vom Kind gesteuert werden.

Im Entdeckerhaus – wie der Name schon sagt – bieten wir den Kindern Anregungen, Raum und Zeit ihrem angeborenen Forscherdrang nachzugehen. Forschendes Lernen sehen wir als Fundament unseres pädagogischen Handelns.

Eine parallele Sichtweise finden wir in der Reggiopädagogik. Hier spricht man „dem Kind die Fähigkeit zu, ebenso wie ein Naturwissenschaftler ein eifriger Forscher zu sein.“ (Lingenauber, 2007, S.16). Somit wird der Begriff des Forschens, der seinen Ursprung in der Erwachsenenwelt hat, auf die kindliche Tätigkeit übertragen, die hierdurch eine Aufwertung erfährt (vgl. Lingenauber, 2007, S.16-17). Wir lehren nicht, sondern geben Impulse (Material, Raum, Zeit, Ideen, Begleitpersonen und soziale Gefüge), aus denen die Kinder auswählen – im Alltag wie auch in gezielten Angeboten („Haus der kleinen Forscher“). Kinder suchen sich ihre Aufgaben selbst aus (Selbstbildungsprozess); sie forschen und experimentieren permanent, wenn man sie lässt und widmen sich dabei nur Dingen, die für sie einen persönlichen Sinn ergeben. Fehler und Hindernisse auf Ihrem Weg sind wichtige Bausteine des Lernens und tragen wesentlich zu ihrer Persönlichkeitsentwicklung bei.
Für Kinder in der Krippe, ist „Die wichtigste Entwicklung, … der Schritt in den Alltag.“ (Mienert, 2009, S.13). Forschen im Krippenalter bedeutet hauptsächlich den Alltag zu meistern. Neben der Erkundung ihres unmittelbaren Umfeldes, steht die Bewältigung lebenspraktischer Aktivitäten, wie zum Beispiel Mahlzeiten, soziale Regeln und das An- und Ausziehen.
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Frühstück in der Krippengruppe: Paul (1,6 Jahre) trinkt seit einer Woche aus dem Becher. Nachdem er einen Schluck Wasser getrunken hat, den Becher noch in der Hand haltend, beginnt er ihn langsam zu kippen. Er beobachtet ganz gespannt, wie das Wasser aus dem Becher auf den Teller läuft. Nun tippt er mit einem Finger in das Wasser und leckt ihn danach ab. Danach beginnt er freudig mit beiden Händen mit dem Wasser herum zu plantschen. Paul ist ganz vertieft. Leni (1,3 Jahre), die ihm gegenüber sitzt, hat ihn die ganze Zeit fasziniert
beobachtet. Nun greift sie zum Becher…

Mit zunehmendem Alter verändert sich das Forschen und Experimentieren, hin zu abstrakteren Themen/Interessen und komplexeren Materialien.

Beim Spielen auf dem Außengelände mit einem Gartenschlauch, entstand bei zwei Sechs- jährigen die Idee, eine Dusche zu bauen. Sie kletterten mit dem Schlauch auf das Spielschiff. Dort versuchte Lotta, ihn so zu positionieren, dass das währenddessen von Jonas herbeige- holte Wasser ohne Hindernisse durch den Schlauch fließen konnte. In der Zwischenzeit hatten zwei weitere Kindergartenkinder eine Wanne herbeigeholt. Nun waren alle Kinder damit be- schäftigt, das durch den Schlauch fließende Wasser mit der Wanne aufzufangen. Während sie nun immer mehr Wasser herbeiholten, fanden sich an der Wanne einige Krippenkinder ein. Ihr Interesse bestand darin, mit Händen bzw. Füßen im Wasser herumzuplanschen.
Für jeden gelungenen Lernweg ist es von großer Bedeutung, dass wir den Kindern ausreichend Raum und Zeit für Phasen der Ruhe und Entspannung bieten. Durch die zunehmenden Anforderungen an Kinder und die vielfältigen Reize, denen sie im Alltag ausgesetzt sind, wird die Integration von Ruhephasen im Alltag immer wichtiger. Erlerntes wird verarbeitet und gefestigt, es entsteht Raum für Neues. Außerdem ist „eine ausgewogene Balance von Bewegung und Entspannung, von Aktivität und Ruhe … einer der wichtigsten Garanten für Wohlbefinden und Gesundheit.“ (Quante, 2003, S. 9).

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Ebenso ist eine gesunde und ausgewogene Ernährung von großer Bedeutung.Die Kinder erfahren unsere hiesige Kultur im gemeinsamen Miteinander.
Auch interkulturelle Aspekte nehmen wir auf und geben ihnen Raum. Die Individualität jedes Einzelnen ist uns kostbar. Eine wertschätzende und tolerante Haltung ist für uns von elementarer Bedeutung. Hierzu zählt auch, auf die unterschiedlichen Bedürfnisse von Mädchen und Jungen einzugehen sowie eine individuelle, sensible Sexualerziehung.
Impulse der einzelnen Mitarbeiter und gesellschaftliche Veränderungen fließen in unser Konzept ein. Neueste Erkenntnisse aus dem Bereich der frühkindlichen Bildung und verschiedene pädagogische Ansätze inspirieren uns. Unserer Arbeit liegt somit keine Verhaftung an einem unwandelbaren Modell zugrunde, sondern unser Konzept darf sich verändern und weiterentwickeln. Unsere höchste Priorität jedoch hat Bestand: Das Wohl eines jeden Kindes!

Tipp:

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